Nachbarschaften
in Zeit und Raum.
2. Treffen
05. - 08. 11.2026
Nachbarschaften in Zeit und Raum: Bruchlinien und Erbschaften
Vom 5. bis 8. November 2026 findet auf Sylt die zweite Ausgabe der Reihe „Nachbarschaften in Zeit und Raum: Bruchlinien und Erbschaften“ statt.
Gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) in Oldenburg, der Universität Gießen sowie – neu in diesem Jahr – dem Literaturhaus Bremen und dem Johannesburg Holocaust & Genocide Centre lädt die Sylt Foundation Autor:innen, Wissenschaftler:innen und Kulturschaffende ein, das deutsch-polnische Verhältnis aus unterschiedlichen Perspektiven weiterzudenken.
Was Nachbarschaft heute bedeutet
Nach dem Auftakt 2025 soll das diesjährige Treffen zugleich der inhaltlichen und strategischen Weiterentwicklung der Reihe dienen. Unter dem Schwerpunkt „Nachbarschaft in unsicheren Zeiten“ fragen wir, welche Themen das deutsch-polnische Verhältnis in den kommenden Jahren prägen werden. Welche historischen Erfahrungen wirken bis in die Gegenwart fort, welche neuen Bruchlinien entstehen? Was bedeutet Nachbarschaft in einer Zeit, in der politische Gewissheiten in Europa brüchiger geworden sind? Und wie können Literatur, Geschichtswissenschaft und kulturelle Praxis Räume schaffen, in denen unterschiedliche Erfahrungen, Erinnerungen und Perspektiven miteinander ins Gespräch kommen?
Dabei geht es nicht allein um die großen Themenkomplexe und Problemfelder der deutsch-polnischen Geschichte. Im Mittelpunkt sollen vielmehr einzelne Biographien und Familiengeschichten, Fragen der Zugehörigkeit, die Bedeutung von regionalen und europäischen Identitäten im Zeitalter von Migration und Globalisierung stehen, sowie die Frage, wie historische Erfahrungen über Generationen hinweg weitergegeben, verändert oder neu erzählt werden. Gerade in einer von Krieg, großen politischen Veränderungen und gesellschaftlicher Polarisierung geprägten Gegenwart gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Nachbarschaft jenseits nationaler Selbstbilder gedacht und gelebt werden kann.
Literatur als eigener Zugang
Mit der Beteiligung des Literaturhauses Bremen soll die literarische Dimension der Reihe künftig noch stärker ausgebaut werden. Literatur eröffnet einen eigenen Zugang zu Geschichte und Erinnerung: Sie kann Ambivalenzen sichtbar machen, Erfahrungen nebeneinanderstehen lassen und dort Verbindungen herstellen, wo politische oder nationale Erzählungen häufig Grenzen ziehen. Zugleich soll diskutiert werden, wie wissenschaftliche Forschung und literarisches Erzählen voneinander profitieren können und wie sich ihre unterschiedlichen Formen des Wissens einer breiteren Öffentlichkeit vermitteln lassen.
Eine Plattform für die kommenden Jahre
Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens liegt auf der gemeinsamen Planung der kommenden Jahre. Die beteiligten Institutionen und Gäste werden Themen, Formate und mögliche Kooperationen entwickeln und darüber beraten, wie aus den bisherigen Begegnungen eine langfristige deutsch-polnische Plattform entstehen kann, die Wissenschaft, Literatur und kulturelle Öffentlichkeit miteinander verbindet.
Arbeitsraum und öffentliches Forum
Zu den Teilnehmer:innen gehören Artur Becker, Silke Behl, Silke Pasewalck, Fred Apke, Leonie Apke, Hans-Jürgen Bömelburg, Sascha Feuchert, Bogusław Chrabota, Patricia Verne und Indra Wussow.
Die Gespräche und Workshops finden im Kreis der Teilnehmer:innen statt. Öffentlich ist die Lesung „Erzählte Nachbarschaft – Literatur in unsicheren Zeiten“ am Samstag, 7. November 2026, um 18 Uhr im Quellenhaus der Sylt Quelle. Damit bleibt „Nachbarschaften in Zeit und Raum: Bruchlinien und Erbschaften“ zugleich Arbeitsraum und öffentliches Forum: ein Ort, an dem aus der Auseinandersetzung mit den Erbschaften der Vergangenheit neue Fragen an Gegenwart und Zukunft entstehen können.
Samstag, 7.11. 2026
(Sylt quelle)
18:00 Uhr
Öffentliche
Lesung
Erzählte Nachbarschaft – Literatur in unsicheren Zeiten
Moderation: Silke Behl
Die Lesung ist der öffentliche Teil des Treffens und steht allen Interessierten offen. Der Eintritt ist frei.
Wer nicht nach Sylt kommen kann, verfolgt die Lesung live auf YouTube.
RÜCKBLICK
1. Treffen
20. - 24. 11.2026
Nachbarschaften in Zeit und Raum: Bruchlinien und Erbschaften
Vom 20. bis 24. November 2025 veranstalten das Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) in Oldenburg, die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Stiftung Sylt ein neues deutsch-polnisches Dialogformat auf Sylt.
Gemeinsam mit Autorinnen, Autoren und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern widmen wir uns dem vielschichtigen Verhältnis zwischen Polen und Deutschland. Was bedeutet diese schicksalhafte Nachbarschaft heute für uns? Was fehlt, was verbindet, was trennt uns? Und welche Lehren lassen sich aus Geschichte und Gegenwart für eine gemeinsame Zukunft ziehen?
Die deutsch-polnischen Beziehungen sind nach wie vor von Ambivalenzen geprägt: von jahrhundertealten Wunden und Erinnerungen, von politischen Spannungen und unterschiedlichen Geschichtsbildern, aber auch von räumlicher Nähe und vielfältigen Verflechtungen innerhalb Europas. Zugleich definiert eine jüngere Generation, die über die sozialen Medien weltweit vernetzt ist, Vorstellungen von Weltoffenheit, europäischer Zugehörigkeit und unmittelbarer Nachbarschaft neu. Beide Gesellschaften stehen zudem vor ähnlichen Herausforderungen: Wie lassen sich Demokratie, Pluralismus und kulturelle Vielfalt in Zeiten von Populismus und Polarisierung verteidigen? Gerade in diesem Spannungsfeld möchten wir den Dialog vertiefen. Welche blinden Flecken, welche Chancen und welche gemeinsamen Perspektiven ergeben sich aus unserer verflochtenen Geschichte und Gegenwart?
In interdisziplinären Workshops treten Literatur-, Geschichts- und Kulturwissenschaften miteinander in den Austausch. Den öffentlichen Höhepunkt bildet am Samstagabend eine Lesung mit den Autoren Artur Becker, Brygida Helbig, Karolina Kuszyk und Mia Raben, moderiert von Silke Behl.
Die Veranstaltungsreihe „Nachbarschaften in Zeit und Raum: Brüche und Vermächtnisse“ soll sich als jährliches Forum etablieren – als offener Raum für Fragen, Austausch und neue Perspektiven.
Freitag, 21.11.25
(Sylt quelle)
10:00 - 13:00 Uhr Workshop I
Geschichte(n) der Nachbarschaft
Moderation: Hans-Jürgen Bömelburg & Indra Wussow
Wir nähern uns gemeinsam den Themen Nachbarschaft, Erinnerung und Zugehörigkeit mit Beiträgen aus Geschichte, Literatur, kuratorischer Praxis und deutschen, polnischen und jüdischen Erinnerungskulturen.
16:00 - 17:00 Uhr
Ererbte Einsamkeit – Wie Geschichte in uns weiterlebt
Ein Gespräch zwischen Indra Wussow und Ina Wolf-Bauwens
Einsamkeit ist nicht nur individuell. Sie kann auch ererbt sein als ein Echo historischer Traumata, die zwischen Polen und Deutschen, zwischen Generationen und Erinnerungen fortwirken.
Die Historikerin und Kuratorin Indra Wussow und die Psychotherapeutin Ina Wolf-Bauwens sprechen über Einsamkeit als Folge von Schweigen, Verlust und Schuld und darüber, wie Begegnung und Gespräch Heilung ermöglichen können.
Samstag, 22.11.25
(sylt quelle)
10:00 - 13:00 Uhr Workshop II
Erzählte Erinnerungen – Literatur als Begegnungsraum
Moderation: Artur Becker & Silke Pasewalck
Wie macht Literatur Erinnerung und Geschichte erfahrbar? Über welche Formen des Erzählens, des Zuhörens und des Übersetzens zwischen Archiv und Fiktion, zwischen Zeiten, Sprachen und Perspektiven entstehen neue Begegnungsräume?
16:00 - 17:00 Uhr
Zerissene Herkunft und gemeinsame Erinnerungsräume
Ein Gespräch zwischen Tali Nates und Indra Wussow
Zwischen Polen, Israel, Deutschland und Südafrika verlaufen Lebenswege, die von Gewalt, Verlust und Weitertragen geprägt sind. In Tali Nates’ Familie führte die Shoah zur Flucht aus Polen und zu einem Neubeginn in Israel; ihre heutige Arbeit in Südafrika verbindet Erinnerung mit Fürsorge und Verantwortung.
In Indra Wussows Familie steht die Geschichte der Umsiedlung nach Łódź während der deutschen Besatzung: eine Spur, die Fragen an das eigene Erbe, an Schuld, Schweigen und Weitererzählen stellt.
Im Gespräch öffnen sich Räume für ein intergenerationales Erinnern, das nicht versöhnt, sondern sichtbar macht und damit Beziehung und gemeinsames Weiterdenken ermöglicht.
19:00 Uhr
Lesung
Öffentliche Lesung
Zwischen Erinnerung und Erzählen:
Polen und Deutschland in der Literatur
Moderation: Silke Behl
Fünf starke literarische Stimmen beleuchten die deutsch-polnische Nachbarschaft zwischen Erinnerung, Erfahrung und Zukunft.
Fred Apke, Artur Becker, Karolina Kuszyk, Mia Raben und Enrique Winter